Imperator

 

Über die Ostsee nach Rostock

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Der Bau

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Die Mallen...
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...werden beplankt...
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Spachteln und Schleifen
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Innenansicht
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Zur Entstehung des „Imperator“

Am Anfang stand das Versprechen, noch während des Schiffbaustudiums ein neues Tretboot zu bauen. Wie so oft wurden solche Worte während einer Bierlaune gesprochen, diesmal nach einer geschriebenen Mechanik Klausur. Ausgelassen wurde über verschiedene Konzepte diskutiert. Vieles wurde wieder verworfen, vieles aber blieb in einigen Hinterköpfen hängen.
 
Die Planungen für das neue Tretboot begannen also bereits im Jahre 2002. Zunächst wurde viel gerechnet und geredet  - Ideen und Taten sind bekanntlich zweierlei. Schnell stand fest, dass man aus dem Stand keinen konkurrenzfähigen Neuentwurf bauen kann. Daher wurde das bereits gebaute und nicht sehr erfolgreiche Tretboot „Paul von Lämmersieth“ als Versuchsboot missbraucht. Der erfolglose Schaufelradantrieb wurde demontiert und ein neuer Tretrahmen für einen konventionellen Wellenantrieb mit Umlenkgetriebe wurde entworfen. Mit einem speziell abgestimmten Propeller fuhr „Paul“ dann für alle recht unerwartet die ersten Erfolge ein.

Das Konzept für das neue Boot stand nun fest. Ein schlanker Monohull mit konventioneller Wellenanlage sollte gebaut werden. Da beim Umbau von „Paul“ viele Erfahrungen auch in Hinsicht auf die Dimensionierung und Belastung der hochbeanspruchten Bauteile gesammelt werden konnten, wurde der Neubau bis in die Extreme ausgereizt.
Auch bei den Werkstoffen wurde Neuland betreten. Mit der Hilfe und Beratung von renommierten Unternehmen aus der CFK Branche wurde ein Bauverfahren ausgewählt, das einen leichten Rumpf bei einfacher Baumethodik liefert. Mallen wurden gefräst und mit Schaumstoffstreifen beplankt. Anschließend wurde dann von außen die erste Lage CFK Gelege laminiert. Nach dem Aushärten wurden die Mallen entfernt und die Innere Kohlefaserlage der Sandwich-Struktur wurde laminiert. Abschließend erfolgten dann die kleinen, aber zeitraubenden Ausbauarbeiten des Rumpfes. Fundamente und Decks wurden teils als Massivlaminat und teilweise als Sandwichstruktur eingebracht.

Der Rumpfbau war Anfang  2005 größtenteils abgeschlossen. Durch Klausuren, Studienarbeiten und andere wichtige Dinge zögerte sich der Bau aber weiter hinaus. Nach einem guten halben Jahr Ruhezeit wurde eine neue Deadline für die Fertigstellung gesetzt: Die IWR 2006 in Istanbul. Da die Erfahrungen aus den letzten Jahrzehnte zeigten, dass der selbst geschaffene Zeitmangel bei den Vorbereitungen für solche Regatten nicht zu unterschätzen ist, wurde rechtzeitig ein komfortabler Zeitplan erstellt. Dieser konnte aber, bedingt durch Umzugspläne des Institutes, mal wieder nicht ganz eingehalten werden. So wurden die Abende und Wochenenden mal wieder sehr lang. Erfolgreich waren wir trotzdem: 15 Minuten bevor alles in den Lastwagen verladen musste, war das ganze Boot zum ersten Mal komplett aufgebaut. Die Probefahrt musste dann halt in Istanbul stattfinden.

Pompös wurde die Taufzeremonie in Istanbul gehalten. Selbst IHR Kanonier ließ sich nicht lumpen und besorgte auf diversen orientalischen Basaren ein würdiges Knallpulver. Die Jungfernfahrt beeindruckte uns. Immerhin gehört der Imperator zu den wenigen Booten die, die Jungfernfahrt ohne Schlepperhilfe beendeten. Leider konnte die Regatta bedingt durch den Bruch des Tretrahmens nicht zu Ende gefahren werden, dennoch waren wir zufrieden und hatten bereits die Behebung der Mängel im Kopf bis ins Detail durchgeplant.

Zurück in Hamburg wurde dann ein zweiter Tretrahmen aus Aluminium gefertigt. Auf der nächsten Probefahrt auf der Regattastrecke Hamburg-Allermöhe konnte dieser bereits fast bis ans Maximum beansprucht werden – und das Boot wurde richtig schnell. Eine Geschwindigkeitsmessung per GPS die uns ein paar erstaunte Motorbootfahrer anboten ergab eine Geschwindigkeit von ca. 20 km/h.
Als nächstes Event stand dann die Europameisterschaft in Wackersdorf. Hier traten wir gegen alle erfolgreichen Boote der letzten Jahre an und deklassierten einige in bestimmten Disziplinen. Am Ende wurde der „Imperator“ Vize-Europameister hinter einem italienischen 3-Mann Boot.

Die erste Saison war damit für uns zu Ende - das neue Boot fährt - 4 Jahre Entwicklungszeit sind abgeschlossen - ein Versprechen ist eingelöst.
Gespannt blicken wir nun in die Zukunft, wie die nächsten Generationen von Studenten die nächsten Iterationsschleifen im Optimierungsprozess dieses Tretbootes gestalten.
Unser Dank gilt allen, die bei der Entstehung des Bootes mitgewirkt haben. Insbesondere bei der Linienoptimierung, dem Propellerentwurf, der Finanzierung und dem eigentlichen Bau.

Was die nächste Generation daraus gemacht hat.

Der Imperator konnte an den ersten Erfolg bei der EM in Wackersdorf anknüpfen und erlangte bei der WM 2007 in Rostock den Gesamtsieg und den Sieg in der Langstrecke. Damit war endgültig klar, welches Potential in diesem Boot steckt. Nach einer Platzierung im vorderen Bereich bei der IWR 2007, einem 4.Platz bei der IWR 2008 in Zagreb folgte 2009 eine weitere Herausforderung: Zur IWR nach Rostock wurde auf eigenem Kiel angereist, die Hochseetauglichkeit des IMPERATORS musste also unter Beweis gestellt werden. Das gelang problemlos, die Strecke bis zur Ostsee wurde gemeinsam mit CLEMENTINE zurückgelegt. Auf der IWR selber konnte das Boot die Platzierungen der Vorjahre bestätigen (3.).

Im Jahr 2010 fuhr das Boot, ohne dass große Veränderungen vorgenommen wurde bei der IWR den zweiten Platz ein.

Bei der IWR 2011 in Hamburg begann dann die Erfolgsserie. Mit neuem Langstreckenpropeller ausgestattet und einem ersten Versuch einer Kort-Düse für den Bollard-Pull konnte der Gesamtsieg errungen werden.

2012 in Duisburg wurde der Slalom gewonnen und mit der optimierten Düse konnte bisher nicht für möglich gehaltene Pfahlzugwerte erreicht werden, wodurch der Gesamt-Titel verteidigt werden konnte.

Bei der chaotischen IWR 2013 in Rijeka konnte dieser Titel zum dritten mal errungen werden. Die Bollard-Pull-Düse war noch einmal verbessert worden. Außerdem kam ein nochmals modifizierter Langstreckenpropeller zum Einsatz.

Vier Wochen später fand dann in Leer mal wieder eine WM statt. Hier wurde erstmals ein eigens für die Düse angefertigter Propeller im Bollard-Pull eingesetzt. Dieser muss sicher noch weiter verbessert werden. Mit einem überlegenen Sieg bei der Langstrecke und einem etwas überraschenden Erfolg im 100m Sprint gegen AnnaX konnte auch hier der Gesamtsieg errungen werden.

Es bestätigt sich jedes Jahr aufs neue, dass der IMPERATOR in keiner Disziplin unschlagbar überlegen ist, aber durch eine herausragende Gesamt-Performance seine Meriten einfährt. Einzig die Rückwärts-Fahrfähigkeit gibt zu denken. Aber wer will schon zurück!

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